Ethereum

shadow-ornament

Die Ethereum-Blockchain

shadow-ornament

Einmal Blockchain zum Mitreden, bitte!

Alle sprechen drüber – doch es ist nicht leicht zu verstehen, was Blockchain sein soll. Das Potential der Technologie reicht weit über den Finanzsektor hinaus.

Vitalik Buterin arbeitet an möglichen Blockchain-Anwendungen – und jagt der Finanzwelt einen gehörigen Schrecken ein.

Ein junger Mann aus Russland gibt der Finanzwelt derzeit große Rätsel auf. Das Dilemma der Branche: Entweder sie ignoriert seine Ideen und wird von der Technik, die er entwickelt, überflüssig gemacht. Oder sie nutzt seine Ideen und zerstört dadurch ihr bisheriges Geschäftsmodell. Es ist fast wie in einer griechischen Tragödie. Moderner ausgedrückt: Es handelt sich um das klassische Disruptions-Dilemma. Vitalik Buterin ist erst 21 Jahre alt. Doch mit seiner Technologie der Blockchain erschüttert er das globale Finanzsystem. Die übergeordnete Idee seiner Blockchain ist es, einen weltweiten Austausch von Werten zu ermöglichen – ohne einen Oberaufseher, komplizierte Verifizierungsverfahren oder Gebühren. Aber genau von diesen Vorgängen leben viele Banken.

Die Idee des Blockchain ist durch die virtuelle Währung Bitcoin entstanden. Aber sie hat das Potenzial, weit mehr als nur das Finanzsystem zu verändern. Bei Zahlungsvorgängen mit Bitcoins müssen im Gegensatz zu anderen Methoden keine Informationen wie Kartennummern, Namen oder Adressen preisgegeben werden. Auch fallen fast keine Gebühren an, von denen zum Beispiel Kreditkartenunternehmen derzeit sehr gut leben. Buterin sagt in einem Bericht von Capital: „An dem Tag, als ich mir Bitcoin genauer ansah, verstand ich, dass Zahlungen ohne Mittelsmänner möglich sind.“ Das klingt in den Ohren der Banken wie der Todesstoß für ihr Geschäft.

ANZEIGE
AWS Popup Loft München

Diese Einsicht des jungen Mannes, der inzwischen in der Schweiz mit einigen Programmierern an seiner Idee arbeitet, hat die Finanzinstitute ziemlich unruhig gemacht. Inzwischen beschäftigen sie sich selbst intensiv mit Blockchain. Doch Buterin hat längst erkannt, dass Blockchain mehr ist als ein dezentrales Buchungssystem für die Finanzwelt. Das Prinzip lässt sich auch auf den Verkauf oder Erwerb von Autos, Häusern oder Aktien übertragen. Eigentlich für jede Art von Vertrag. Wenn das tatsächlich möglich sein sollte, ginge es nicht nur Finanzinstituten an den Kragen.

Wenn heute jemand eine Wohnung kauft, kassieren zum Beispiel immer auch Notare, Städte und Gemeinden mit. Sie lassen sich den Aufwand, Wertübertragungen zu dokumentieren, teuer bezahlen. Auch die Art und Weise, wie heute Verträge zustande kommen oder Urheberrechte verwaltet werden, könnte sich dramatisch verändern. Digitale Verträge könnten ihre Aktionen in Zukunft selber ausführen. „Smart Contracts“ heißt das in der Fachsprache. Einen Oberaufseher für ihre Einhaltung bräuchte es dann nicht mehr.

Die Digitalisierung, derzeit auch in der Gestalt von Blockchain, sorgt weiter und immer schneller dafür, dass durch Technologie Macht und Kontrolle von zentralen Autoritäten auf die Massen der Anwender und Netzwerke übertragen werden, die sich in Zukunft selber kontrollieren. Buterin ist ein Verfechter dieser freiheitlichen Marschroute, wenn es um die Entwicklung des Internets geht. Er und seine Organisation „Ethereum“ arbeiten an einem hochdisruptiven Ansatz, der Auswirkungen haben könnte, deren Tragweite wir heute noch gar nicht überblicken.

shadow-ornament

DEVCON1: Understanding the Ethereum Blockchain Protocol

Quelle: Ethereum, Vitalik Buterin

shadow-ornament

Smart Contracts: Vertragsabwicklung durch Computer

hardware 01

Die Verdinglichung des Internets (Internet der Dinge) ist bereits Realität, die Anzahl smarterGegenstände nimmt zu. Dabei kommunizieren die Geräte nicht nur mit Menschen, sondern auch untereinander. Die neuen Verknüpfungen und generierten Daten bieten eine gute Grundlage für „intelligente“ oder „verdinglichte Verträge“ sog. Smart Contracts.

Was sind Smart Contracts?

Die Idee von Smart Contracts ist recht alt, fast so alt wie das Internet selbst. Der Begriff wurde bereits 1994 durch den Jurist und Informatiker Nick Szabo geprägt.

Er beschreibt Smart Contracts wie folgt:

“A smart contract is a computerized transaction protocol that executes the terms of a contract. The general objectives of smart contract design are to satisfy common contractual conditions (such as payment terms, liens, confidentiality, and even enforcement), minimize exceptions both malicious and accidental, and minimize the need for trusted intermediaries. Related economic goals include lowering fraud loss, arbitration and enforcement costs, and other transaction costs.”

Vereinfacht gesagt, sind Smart Contracts also Transaktionsprotokolle bzw. Programme, die automatisch und permanent, also quasi „live“, die Bedingungen eines Vertrags kontrollieren und ggf. einzelne Bestimmungen eines Vertrags automatisiert ausführen. Die Kontrolle und Einhaltung basiert dabei auf den Smart Contracts zu Verfügung gestellten Daten(banken). Durch die automatisierte Abwicklung von Verträgen lassen sich ferner immense Kosten, mithin „Mittelsmänner“ einsparen.

Schon heute kennen wir Smart Contracts aus unserem Alltag, etwa das Digital Rights Management (DRM) oder die Abhebung von Bargeld am EC-Automaten. Auch hier erfassen Maschinen Daten, werten diese aus und führen sodann die jeweiligen Vertragsbedingungen aus.

Durch die Anbindung von körperlichen Gegenständen an das Internet, also der Anwesenheit von Smart Objects, erfährt diese Idee aber eine ganz neue Qualität. Unsere Umgebung wird nicht nur smart, sie wird durch den Einsatz von Smart Contracts auch „verrechtlicht“ und kann selbstständig bestehende Verträge, die im Zusammenhang mit der Nutzung des Gegenstands stehen, vollziehen. Vertragsbedingungen können also ohne große Umwege sofort vollzogen werden – und zwar computergesteuert.

Ein Beispiel

Der Einsatz von intelligenten und verdinglichten Verträge kann sehr gut an Hand des liebsten Kinds der Deutschen, dem Automobil, beschrieben werden:

Hans Müller möchte sich einen neuen BMW (Modellreihe 5er) zulegen, um damit seine Nachbarn und Freunde zu beeindrucken. Hierfür schließt Herr Müller eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Autohändler B ab. Zudem schließt er bei der Versicherung V eine „dynamische“ Kfz-Versicherung ab, die auf dem Prinzip „pay as you drive“ basiert.

Vorausgesetzt, dass nun beide Verträge auf einem Smart Contract Modell beruhen und es sich bei dem Pkw um ein Smart Car (inkl. Blackbox) handelt, wäre folgendes Szenario denkbar:

Szenario 1

Bei einer Spritztour mit dem neu angeschafften Kraftfahrzeug, versucht Herr Müller mit riskanten und gefährlichen Fahrmanövern, seine neue Freundin Chantal zu beeindrucken. Schon nach etwa 20 min wird Herrn Müller über das Info-Display des Fahrzeugs eine Meldung eingeblendet: Die jährlicheVersicherungsprämie steige nunmehr um 60%. Dies ist das Ergebnis der Auswertung der „Fahrverhaltensdaten“, die vom Auto bzw. der verbauten Blackbox, an das Smart Contract Programm mitgeteilt wurde.

Szenario 2

Auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten, die nicht zuletzt auf die neue anspruchsvolle Freundin zurückzuführen sind, hat Herr Müller ein weiteres Problem. Er kann die monatlichen Raten für sein Auto nicht mehr zahlen. Auch dies wurde bereits vom Smart Contract eigenständig erkannt und entsprechend umgesetzt: Herr Müller wird (nach erfolgloser Mahnung) von jeglicher weiteren Nutzung des Fahrzeugs ausgeschlossen. Die Öffnung des Pkws mit den an Herrn Müller ausgehändigten Schlüssel bzw. Zugangsdaten ist nicht mehr möglich. Erst wenn die nächste Rate gezahlt wird, ist die Inbetriebnahme wieder möglich. Das Fahrzeug fährt schließlich autonom zu dem Händler B zurück.

An allen Vorgängen war kein Mensch beteiligt, die Smart Contracts selbst haben die Vertragsbedingungen umgesetzt. Für Herrn Müller war dies auch sofort erkennbar und vor allem spürbar.

Rückgrat der Smart Contracts: Blockchain

Um zu gewährleisten, dass Vertragsbedingungen durch Smart Contracts tatsächlich „zu Recht“ umgesetzt werden, ist selbstverständlich die Integrität und Verlässlichkeit der Daten, auf Grund dessen die Vertragsklauseln vollzogen werden, das A und O.

Aber auch hierfür gibt es bereits einen Lösungsansatz: das Blockchain-Prinzip. Es handelt sich dabei um eine dezentrale, universelle, anonyme Datenbank. Diese ist für jedermann (und jeden Smart Contract) zu jeder Zeit einsehbar, und ermöglicht so die Verifizierung von Zahlungsvorgängen und anderen rechtsgestaltenden Vorgängen. Auf ein solches System baut auch die Digitalwährung Bitcoin auf und ist daher bisher eher in der FinTech Branche bekannt. Das dezentrale Zahlungssystem verlässt sich dabei auf eine Datenbank, in der alle Bitcoin-Transaktionen verzeichnet sind (Peer-to-Peer Netzwerk). Die Block-Chain wird redundant und vor allem dezentral gespeichert, verwaltet und laufend über das Bitcoin-Netzwerk aktualisiert.

Auch IBM hat das große Potential des Blockchain-Prinzips bereits als Grundlage für Smart Contracts erkannt. Das Unternehmen stellt in Kürze eine Open Source Software Plattform vor, die es ermöglicht Smart Contracts zu schließen. Über die Plattform soll zudem die sichere und öffentliche Verwaltung der intelligenten Verträge ermöglicht werden.

Code und Recht

Die Verbindung des Internets der Dinge mit FinTech Anwendungen und dem Blockchain Prinzipschafft neue Konzeptionen, die bisher eher dem Genre Science Fiction zuordenbar waren. Die Anwendungsbeispiele für Smart Contracts sind dabei so vielfältig wie das Recht selbst. Bei dieser Verschmelzung von Code und Recht erlangen das Datenschutzrecht und die IT-Sicherheit eine ganz neue Bedeutung.

Das Ende der Juristen ist wohl durch die Etablierung der digitalen Advokaten nicht so schnell zu erwarten, die Aussage „Code is Law“ ist aber durchaus ernst zu nehmen.

shadow-ornament